Risiko- und
Sicherheitskultur

im GesundheitswesenR.Hecker | APS (Hrsg.)

Patientensicherheit ist nicht nur PflichtĂŒbung fĂŒr die unmittelbare Arbeit mit Patientinnen und Patienten, Patientensicherheit muss zentrales Motiv bei allen Entscheidungen im Gesundheitswesen sein. Dass das Gesundheitswesen insgesamt und insbesondere KrankenhĂ€user mit der Behandlung unterschiedlichster BeeintrĂ€chtigungen in einem von Zeitdruck und Ressourcenmangel dominiertem Arbeitsumfeld Hochrisikoorganisationen sind, steht außer Frage.


Umso wichtiger ist es, dass Risikobewusstsein und gelebte Sicherheitskultur Leitmotive fĂŒr alle werden, die innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette der Gesundheitswirtschaft agieren. Hier setzt „Risiko- und Sicherheitskultur im Gesundheitswesen“ an. Das Fachbuch lĂ€sst Expert:innen aus sĂ€mtlichen Bereichen der Gesundheitsversorgung und der Gesundheitswirtschaft zu Wort kommen.

Die Autorinnen und Autoren beleuchten die wesentlichen Handlungsfelder zur Entwicklung von Sicherheitskultur und beschreiben die Konzepte, Methoden und Ansatzpunkte, mit denen in ihren Institutionen, Unternehmen oder Branchen die Entwicklung von Risikobewusstsein und Sicherheitskultur vorangebracht wird. Nur wenn Sicherheitskultur ganz oben auf der Agenda steht, gelingt es, die Risiken bestmöglich zu beherrschen und so das Gesundheitssystem fĂŒr alle Beteiligten nachhaltig zu verbessern.

Patientensicherheit in Zahlen

(aus internationalen Studien)

UnerwĂŒnschte Ereignisse

TodesfÀlle

1 Mio.

bis

2 Mio.

Patienten sind jĂ€hrlich von unerwĂŒnschten Ereignissen betroffen

Medizinische Fehler liegen auf Rang

8

der Todesursachenstatistik

400000

bis

800000

UnerwĂŒnschte Ereignisse sind jĂ€hrlich vermeidbar

20000

TodesfÀlle sind jÀhrlich vermeidbar

1 Mio.

Patienten werden pro Jahr durch Behandlungsfehler geschÀdigt (USA)

19.000

Patienten versterben jÀhrlich an den Folgen von Behandlungsfehlern (Dtl.)

„Patientensicherheit ist viel mehr als Methoden und Instrumente, es ist im wesentlichen das gemeinsames VerstĂ€ndnis einer Kultur, die die sichere Versorgung von Patient:innen kompromisslos in den Vordergrund stellt und alle Entscheidungen daran ausrichtet. Dies erfordert Mut und Ehrlichkeit!“

Dr. Ruth Hecker

Vorsitzende des AktionsbĂŒndnis Patientensicherheit e.V.

Prof. Dr. med. Jochen A. Werner

Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der UniversitĂ€tsmedizin Essen

„Eine erfolgreiche Sicherheitskultur bedeutet immer auch eine vertrauensbasierte Unternehmenskultur.“

Dr. med. Veit Wambach

Merle Barisch

Jörg Lindenthal

Gesundheitsnetz QualitÀt und Effizienz eG

„Ein VerstĂ€ndnis von Fehlerkultur, eine offene und wertschĂ€tzende Kommunikation sowie eine grundsĂ€tzlich gute FĂŒhrung des Praxischefs bzw. der Praxischefs ist die Grundlage, um aus Fehlern lernen zu können.“

Dr. med. Johannes Wimmer

aempathy GmbH

„Mir sind in der Zeit als praktizierender Arzt Fehler passiert, und ich bin dankbar um jeden dieser Fehler, die mir selbst, den Kolleg*innen, vor allem aber auch den Patient*innen selbst rechtzeitig aufgefallen sind.“

„Patientensicherheit ist ein Kernelement der QualitĂ€tssicherung und des QualitĂ€tsmanagements.“

Dr. Gerald Gaß

Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft e.V.

EinfĂŒhrung einer Sicherheitskultur bei der Gestaltung und Erbringung von Gesundheitsleistungen

Die Entwicklung einer Sicherheitskultur ist von zentraler Bedeutung fĂŒr alle nachhaltigen BemĂŒhungen zur Verbesserung der Patientensicherheit. Politische und legislative Maßnahmen können ein gĂŒnstiges Umfeld fĂŒr eine florierende Sicherheitskultur schaffen. Letztlich muss eine Sicherheitskultur jedoch in die Einstellungen, Überzeugungen, Werte, FĂ€higkeiten und Praktiken von BeschĂ€ftigten im Gesundheitswesen, Management und FĂŒhrungskrĂ€ften von Gesundheitseinrichtungen einfließen. Die Sicherheitskultur muss mit der gesamten Unternehmensphilosophie und -kultur verwoben sein. LĂ€nder und Organisationen können ihre eigenen besten Wege zur Verwirklichung einer Sicherheitskultur finden, dabei sind jedoch bestimmte Elemente unverzichtbar. Das Engagement der FĂŒhrungskrĂ€fte, Transparenz, eine offene und respektvolle Kommunikation, das Lernen aus Fehlern und bewĂ€hrten Verfahren sowie ein ausgewogenes VerhĂ€ltnis zwischen dem Verzicht auf die Suche eines SĂŒndenbocks und persönlicher Verantwortlichkeit sind unerlĂ€ssliche Bestandteile der Sicherheitskultur.

Eine starke Sicherheitskultur ist nicht nur von zentraler Bedeutung fĂŒr die Verringerung von PatientenschĂ€den, sondern auch fĂŒr die Schaffung eines sicheren Arbeitsumfeldes fĂŒr die BeschĂ€ftigten im Gesundheitswesen. Dazu gehört auch die Schaffung eines psychologisch sicheren Arbeitsumfeldes, in dem die BeschĂ€ftigten des Gesundheitswesens Probleme in Bezug auf die Patientensicherheit und andere Anliegen ansprechen können, ohne negative Konsequenzen befĂŒrchten zu mĂŒssen.

Joachim Prölß

Direktor fĂŒr Patienten- und Pflegemanagement sowie Mitglied des Vorstands des UniversitĂ€tsklinikums Hamburg-Eppendorf

„Die Patientensicherheit muss fester Bestandteil der Unternehmensstrategie und der Unternehmenskultur sein und in Form einer Sicherheitskultur alle relevanten Bereiche des Krankenhauses erfassen.“

„Das Thema Patientensicherheit sollte nicht nur im Medizinstudium, sondern in den Curricula aller Gesundheitsberufe verankert sein.“

Dr. med. Isabel Kiesewetter, M.Sc.

FachĂ€rztin fĂŒr AnĂ€sthesie am Klinikum der UniversitĂ€t MĂŒnchen

Dr. med. Sabine Drossard

Ärztin in Weiterbildung Kinderchirurgie am UniversitĂ€tsklinikum Augsburg

Prof. Dr. Andréa Belliger

Institut fĂŒr Kommunikation & FĂŒhrung IKF

„Neue ForschungsansĂ€tze wie partizipative oder translationale Forschung messen dem Patienten als „Citizen Scientist“ eine neue Rolle in der medizinischen Forschung zu.“

„Ein kontinuierliches, indikatorengestĂŒtztes Monitoring der Patientensicherheit und Sicherheitskultur im ambulanten Sektor gibt es in Deutschland bisher nicht.“

Prof. Dr. Max Geraedts, M.San.

Leiter des Instituts fĂŒr Versorgungsforschung und Klinische Epidemiologie am Fachbereich Medizin der UniversitĂ€t Marburg

Cornelia PrĂŒfer-Storcks, Senatorin a.D.

Beirat AktionsbĂŒndnis Patientensicherheit e.V.

„Sicherheitskultur wird nicht nur durch das individuelle Verhalten, sondern ganz wesentlich durch die VerhĂ€ltnisse geprĂ€gt.“

Nachhaltige Gesundheitsversorgung durch mehr Patientensicherheit

Sieben Anliegen des AktionsbĂŒndnis Patientensicherheit fĂŒr die nĂ€chste Legislaturperiode 2021‐2025

Zielsetzung: Es muss sichergestellt werden, dass die Gesundheitspolitik wirksame und patientenorientierte VerÀnderungen im Gesundheitswesen durchsetzt.

Operationalisierung: In die Erstellung von GesetzentwĂŒrfen wird eine Betrachtung der Umsetzungshindernisse und der möglichen unbeabsichtigten Wirkungen explizit aufgenommen. Eine AbschĂ€tzung der Folgen fĂŒr die Versorgungs‐, Patienten‐ und Mitarbeitersicherheit wird obligatorischer Inhalt von Gesetzesvorlagen. Bei allen GesetzentwĂŒrfen, die Auswirkungen auf die Patientensicherheit haben, wird dem APS die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben. Zur StĂ€rkung zivilgesellschaftlicher Initiativen unterstĂŒtzt der Staat Organisationen zur Förderung der Patientensicherheit unter Wahrung ihrer UnabhĂ€ngigkeit. Die Position des/der Patientenbeauftragten der Bundesregierung wird weiterentwickelt zu einer Ombudsstelle, bei der Betroffene (Patient*innen, Mitarbeitende in KrankenhĂ€usern und Arztpraxen, einzelne Leistungserbringende u.a.) jenseits der etablierten Interessenvertretungen strukturelle Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen melden können. In regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden erfolgt ein öf fentlicher Bericht zu den hierzu getroffenen Maßnahmen.

BegrĂŒndung: In einem komplexen Gesundheitswesen entfalten Gesetze oft nicht die gewĂŒnschte Wirkung, selbst dann nicht, wenn sie fĂŒr die Versorgung und Patientensicherheit essenzielle Anliegen adressieren. Deshalb mĂŒssen Mechanismen etabliert werden, die die möglichen Gesetzesfolgen besser antizipieren und unerwĂŒnschte Wirkungen oder das Ausbleiben der gewĂŒnschten Effekte zeitnah korrigieren können. Dabei muss gewĂ€hrleistet sein, dass nicht nur die Stimmen der etablierten Interessensvertretungen, sondern insbesondere die Sichtweisen der Patienten(sicherheit) eingebracht und gehört werden. Konstruktive Kritik ist kein Angriff, sondern eine Hilfestellung zur Verbesserung. Sie muss daher ohne Skandalisierung strukturiert und wirksam eingebracht werden können.

Zielsetzung: Patientensicherheit muss integraler Bestandteil der Entscheidungsgrundlagen und SteuerungsgrĂ¶ĂŸen jeder Einrichtung im Gesundheitswesen auf der obersten Leitungsebene werden.

Operationalisierung: Durch entsprechende Regelungen in den SozialgesetzbĂŒchern, insbesondere SGB V und SGB XI, werden alle Organisationen im Gesundheitswesen und in der Pflege dazu verpflichtet, den Aufgabenbereich der Patientensicherheit explizit einer verantwortlichen Person auf der obersten Leistungseben zuzuordnen. DarĂŒber hinaus werden die Organisationen verpflichtet, eine*n Beauftragte*n fĂŒr Patientensicherheit zu benennen, die/der mindestens einmal im Quartal der obersten Leitungsebene berichtet. Diese Patientensicherheitsbeauftragten benötigen eine Aus‐ oder Fortbildung im Umfang von mindestens 40 Unterrichtseinheiten. Sie werden rechtlich den Datenschutzbeauftragten gleichgestellt (KĂŒndigungsschutz, Freistellung von sonstigen TĂ€tigkeiten) und haben das Recht, auch an Aufsichtsbehörden direkt zu berichten. In der QM‐Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G‐BA) wird verpflichtend KontinuitĂ€tsmanagements mit Blick auf mögliche Krisenszenarien verankert.

BegrĂŒndung: Ob Patientensicherheit ein eigenstĂ€ndiges Handlungsziel bei strategischen Weichenstellungen einer Organisation ist, entscheidetsich auf Leitungsebene. Die mit dieser Aufgabe explizit beauftragten FĂŒhrungskrĂ€fte stellen als Gesamtverantwortliche fĂŒr das Thema Patientensicherheit und Risikomanagement sicher, dass Maßnahmen zur Etablierung einer Sicherheitskultur in ihrer Einrichtung ergriffen werden und die fĂŒr die Umsetzung der Maßnahmen und Nutzung der Instrumente und Methoden erforderlichen personellen und finanziellen Ressourcen zur VerfĂŒgung stehen. Indikatoren zur Patientensicherheit mĂŒssen Teil der „balanced scorecard“ jeder Organisation im Gesundheitswesen werden. Um das zu erreichen, muss einerseits persönliche Verantwortlichkeit auf der Leitungsebene ĂŒbernommen werden und andererseits das Thema auf der Basis belastbarer Kennzahlen regelmĂ€ĂŸig aufgegriffen werden. FĂŒr die Bereitstellung dieser Daten sowie die Konzeption und praktische Umsetzung geeigneter Maßnahmen sind wiederum die Patientensicherheitsbeauftragten zustĂ€ndig. Im hessischen Krankenhausgesetz ist vorgegeben, dass alle KrankenhĂ€user eine*n solchen Patientensicherheitsbeauftragten haben. Diese Regelungen mĂŒssen auf alle Organisationen und Unternehmen im Gesundheitsbereich (z.B. Krankenkassen, Pflege‐ und Rehaeinrichtungen, Hersteller von Medizinprodukten, Anbieter von digitalen Gesundheitsanwendungen, Gesundheitsdienstleister, gematik) ebenso wie auf das Bundesgesundheitsministerium ausgedehnt werden. Diese Forderung schließt die Vorgabe ein, explizites KontinuitĂ€tsmanagement in den Organisationen zu verankern, d.h. Vorsorge zu treffen, damit bei Eintritt denkbarer Krisenszenarien die FunktionsfĂ€higkeit erhalten bleibt.

Zielsetzung: Um ein komplexes Gesundheitswesen hinsichtlich Sicherheit und QualitĂ€t der Versorgung steuern zu können, sind aussagekrĂ€ftige, belastbare und zeitnah zur VerfĂŒgung stehende Kennzahlen unerlĂ€sslich.

Operationalisierung: Das Institut fĂŒr QualitĂ€t und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) wird unter unabhĂ€ngige öffentliche TrĂ€gerschaft gestellt. Es erhĂ€lt den Auftrag, Kennzahlen zur Patientensicherheit und zur (Pflege‐)Personalausstattung zu erarbeiten, die u.a. auch zeitnah und einrichtungsbezogen Informationen ĂŒber die Sicherheitskultur und die Belastung der Mitarbeitenden liefern. ErgĂ€nzend sind Patient Reported Outcomes Measures (PROMS) zu erarbeiten und nachfolgend einrichtungsbezogen zu erheben. Das IQTiG wird beauftragt, zusammen mit den fĂŒr die VergĂŒtung verantwortlichen Institutionen die VergĂŒtungs‐ und Dokumentationsregelungen so auszugestalten, dass Routinedaten bestmöglich fĂŒr die Transparenz ĂŒber QualitĂ€t und Patientensicherheit genutzt werden können. Das neu konstituierte IQTiG wird außerdem zur Vertrauensstelle ausgebaut, bei der bestimmte schwerwiegende vermeidbare unerwĂŒnschte Ereignisse gemeldet werden mĂŒssen. Außerdem werden die Organisationen, die Patient*innen im Fall des Verdachts auf Behandlungsfehler unterstĂŒtzten, dazu verpflichtet, ĂŒber die Fehlermechanismen (selbstverstĂ€ndlich in anonymisierter Form) öffentlich zu berichten.

BegrĂŒndung: Damit Patientensicherheit und QualitĂ€t relevante Entscheidungs‐ und SteuerungsgrĂ¶ĂŸen auf allen Ebenen des Gesundheitswesens darstellen können, mĂŒssen diese valide, zeitnah und möglichst aufwandsarm gemessen werden. DarĂŒber hinaus mĂŒssen die erfassten Fehlerursachen besser als bisher fĂŒr die Ableitung von PrĂ€ventionsmaßnahmen genutzt werden.

Zielsetzung: PatientengefÀhrdungen durch Personal, das selbst unter den psychischen Folgen von sekundÀren Traumatisierungen leidet, und die Abwanderung aus den medizinischen Berufen, insbesondere aus der Pflege, aufgrund belastender Arbeitssituationen sollen verringert werden.

Operationalisierung: SekundĂ€re Traumatisierungen von Mitarbeitenden aufgrund von dauerhaft stark belastenden Arbeitsbedingungen und Involvierung in PatientenschĂ€den werden als Berufskrankheit anerkannt. Die Einrichtungen werden verpflichtet, im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements Maßnahmen zur primĂ€ren und sekundĂ€ren PrĂ€vention von SchĂ€digungen der Mitarbeitenden („second victim“) zu ergreifen. Die Vorgaben zur (Pflege‐)Personalausstattung und insbesondere die Transparenz mit Bezug auf den tatschlichen Pflegebedarf werden neugestaltet.

BegrĂŒndung: Mit der Anerkennung sekundĂ€rer Traumatisierungen von (Pflege‐)Personal als Berufskrankheit erhalten die Berufsgenossenschaften eine aktive Rolle bei der Verbesserung der Situation vor Ort. Die SchadensprĂ€vention trĂ€gt unmittelbar zur Erhöhung von Mitarbeitersicherheit und Patientensicherheit bei. Beide können nur gewĂ€hrleistet werden, wenn der tatsĂ€chliche Bedarf der Patient*innen durch die Personalausstattung gedeckt ist.

Zielsetzung: Die Bevölkerung in Deutschland muss darin unterstĂŒtzt werden, in ihren jeweiligen Rollen als BĂŒrger*in, Patient*in, Arbeitnehmer*in oder FĂŒhrungskraft inner‐ und außerhalb des Gesundheitswesens mehr Verantwortung fĂŒr eine sichere Gesundheitsversorgung ĂŒbernehmen zu können.

Operationalisierung: Die Bundesregierung fördert Maßnahmen zum Patient Empowerment sowie Kampagnen zur öffentlichen AufklĂ€rung der Bevölkerung ĂŒber Möglichkeiten, durch eigenes Verhalten ihre eigene Sicherheit als Patient*innen zu steigern. Dazu gehört die , Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“ des APS und seiner Partnerorganisationen sowie AktivitĂ€ten rund um den „World Patient Safety Day“, der jĂ€hrlich am 17. September stattfindet. In allen Einrichtungen werden Hinweisgebersysteme etabliert, die den persönlichen Schutz der Hinweisgebenden und die Umsetzung von VerbesserungsansĂ€tzen gewĂ€hrleisten. Außerdem wird ein HĂ€rtefallfonds bei PatientenschĂ€den geschaffen, der neben der finanziellen und organisatorischen UnterstĂŒtzung der Betroffenen die PrĂ€vention von sekundĂ€ren SchĂ€digungen und die Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen vor Ort zur Aufgabe hat. Er unterstĂŒtzt das IQTiG bei seiner Aufgabe der Erfassung des Auftretens von schweren vermeidbaren PatientenschĂ€den.

BegrĂŒndung: Diese Forderung basiert auf dem Ziel, das Potential fĂŒr Bottom‐up‐Verbesserungen der Patientenversorgung zu stĂ€rken: durch Förderung der Gesundheitskompetenz und durch die Schaffung von Strukturen, die ermöglichen aus Vorkommnissen im Versorgungsalltag Lehren fĂŒr zukĂŒnftige Verbesserungen zu ziehen. Fehler oder Kritik sollen nicht stigmatisiert werden, sondern systematisch als AnstĂ¶ĂŸe fĂŒr einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess der Gesundheitsversorgung genutzt werden.

Zielsetzung: Die BeschĂ€ftigten aller Gesundheitsberufe mĂŒssen Patientensicherheit, Sicherheitskultur und das Denken in Versorgungsprozessen von Beginn ihrer Ausbildung verinnerlichen.

Operationalisierung: Die BeschĂ€ftigten aller Gesundheitsberufe werden im Rahmen eigener FĂ€cher wĂ€hrend der Aus‐ und Weiterbildung in den Methoden und Instrumenten des klinischen Risikomanagements, Wissen zur Entstehung von Risiken und SchĂ€den sowie Kenntnis und Anwendung von etablierten Patientensicherheitsmaßnahmen, insbesondere der sicheren Kommunikation im Behandlungsverlauf, geschult. Über die dezentralen Anstrengungen einzelner Akteure im Gesundheitswesen hinaus verankert die Bundesregierung verpflichtend entsprechende Anteile in den Ausbildungs‐ und PrĂŒfungsverordnungen aller Gesundheitsberufe. Die Ausbildungseinheiten mĂŒssen durch spezialisiertes Personal im Bereich der Patientensicherheit und des klinischen Risikomanagements erfolgen.

BegrĂŒndung: Auch wenn Patientensicherheit im Berufsalltag integraler Bestandteil allen Handelns werden muss, mĂŒssen die dafĂŒr erforderlichen Methoden, FĂ€higkeiten, Kenntnisse und Sichtweisen unabhĂ€ngig und fĂ€cherĂŒbergreifend wahrgenommen werden. Das ist nur durch ein eigenstĂ€ndiges Unterrichts‐ und PrĂŒfungsfach zu erreichen. Durch die Etablierung des Sicherheitsgedankens in der Aus‐, Fort und Weiterbildung und eines offenen Umgangs mit Fehlern und Vorkommnissen wird eine belastbare Basis fĂŒr das aktive Berufsleben geschaffen.

Zielsetzung: Die physische ZugĂ€nglichkeit zu Versorgungsangeboten und gelingende Kommunikation zwischen Behandelnden und Patient*innen mĂŒssen verbessert und unterstĂŒtzt werden.

Operationalisierung: Informationen zur Barrierefreiheit von Versorgungsangeboten werden durch die kassenĂ€rztlichen Vereinigungen vollstĂ€ndig und bundesweit einheitlich zur VerfĂŒgung gestellt. Die kassenĂ€rztlichen Vereinigungen sind fĂŒr die Bereitstellung, PrĂŒfung und VollstĂ€ndigkeit dieser Informationen verantwortlich. Im Rahmen des Sicherstellungsauftrags werden sie verpflichtet, bindende Vorgaben zur Barrierefreiheit neuer Versorgungsangebote zu erlassen. Aufsichtsbehörden werden veranlasst, bei der Benachteiligung beim Versorgungsangebot aufgrund von Behinderung tĂ€tig zu werden. Die Krankenkassen werden verpflichtet, UnterstĂŒtzungsleistungen bei Kommunikationsbarrieren aufgrund z.B. von Fremdsprachlichkeit oder Behinderung zu entwickeln und selbst anzubieten bzw. zu finanzieren. Die gematik wird beauftragt, die elektronische Patientenakte so zu gestalten bzw. weiterzuentwickeln, dass sie die Nutzerinnen beim VerstĂ€ndnis der sie betreffenden Daten und Gesundheitsinformationen unterstĂŒtzt, Versorgungsangebote strukturiert bzw. integriert und umfassend zur Patientensicherheit beitrĂ€gt.

BegrĂŒndung: Zur sicheren Versorgung gehört, dass Menschen diese identifizieren, physisch aufsuchen und inhaltlich verstehen können. Mit den hier vorgebrachten Forderungen sollen physische wie kognitive Barrieren der Inanspruchnahme und Kommunikation verringert werden. Der Digitalisierung kommt eine SchlĂŒsselrolle bei der UnterstĂŒtzung der Patient*innen beim Aufbau von Gesundheitskompetenz und der sicheren Inanspruchnahme zu. Damit sie diese Aufgabe erfĂŒllen kann, mĂŒssen Patientensicherheit, Versorgungssteuerung und Empowerment – auch ĂŒber vorhandene Barrieren hinweg – zu zentralen ZielgrĂ¶ĂŸen der Digitalisierung und insbesondere der elektronischen Patientenakte werden.

Dr. med. Ingo HĂ€rtel

Stellvertretender Leiter des Referats „Patientenrechte, Gesundheitsrecht, Patientensicherheit“ im Bundesministeriums fĂŒr Gesundheit

„Selbst in hochentwickelten Gesundheitssystemen ist anzunehmen, dass jeder zehnte im Krankenhaus Behandelte ein unerwĂŒnschtes Ereignis erlebt.“

„Die bloße Dokumentation einer Maßnahme ist nie ausreichend, sie muss gelebt werden. Hier gilt der Grundsatz „documented and implemented“.“

Pamela de Beus, M.Sc.

Head of Aviation Safety & Risk Management

Dr. Alexander Klein, LL.M.

GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Funk Health Care Consulting GmbH und der Funk Hospital-Versicherungsmakler GmbH

Cordula MĂŒhr, MD MPH

ehrenamtliche Patientenvertreterin gemĂ€ĂŸ § 140 f SGB V im G-BA

„QualitĂ€t und Sicherheit sind Systemeigenschaften, die ohne eine konsequente VerĂ€nderung des Systems selbst nicht nachhaltig verbessert werden können.“

„Mithilfe der Digitalisierung werden die Patient:innen ermutigt, sich stĂ€rker in den Behandlungsprozess zu integrieren und informierte Entscheidungen fĂŒr ihre Gesundheitsversorgung zu treffen.“

Holm Diening

Chief Security Officer gematik

Dr. med. Markus Leyck Dieken

AlleingeschĂ€ftsfĂŒhrer der gematik

Prof. Dr. Jörg F. Debatin

Healthcare-Unternehmer

Claudia Dirks

Pressereferentin der gematik GmbH

„Digitale Technologien können die Sicherheit fĂŒr die Patienten deutlich erhöhen.“

Sponsoren

BD

BD ist ein international tĂ€tiges Medizintechnologie-Unternehmen, das den Fortschritt fĂŒr die Welt der Gesundheit vorantreibt. Ziel von BD ist es, die Erforschung von Krankheiten, die Diagnostik sowie die Behandlung und Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern. BD zĂ€hlt zu den fĂŒhrenden Anbietern innovativer Technologien fĂŒr die Patienten- und Anwendersicherheit, die medizinische Forschung und das klinische Labor.

Funk Stiftung

Die Funk Stiftung fördert schwerpunktmĂ€ĂŸig wissenschaftliche und praxisbezogene Projekte rund um die Themen Risikoforschung und RisikobewĂ€ltigung. In diesem Arbeitsgebiet initiieren und vergeben wir auch Preise. DarĂŒber hinaus engagieren wir uns auch gezielt in der Förderung kultureller Projekte und kĂŒnstlerischer Talente.

Inworks

Inworks digitalisiert die Themen des QualitĂ€ts-, Risiko- und Feedbackmanagements: zum Beispiel Meldungen, Risiken, Audits oder das Feedback von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Patientinnen und Patienten. Sie sind Hersteller der fĂŒhrenden Beschwerdemanagement-Software fĂŒr Versicherer sowie einem der modernsten Systeme zum 360-Grad-Feedback. Im Health Care-Bereich sind sie die Nr. 1 bei Software fĂŒr Patientensicherheit, Compliance, QualitĂ€ts- und Risikomanagement.

MSD SHARP & DOHME

MSD ist einer der weltweit grĂ¶ĂŸten und bedeutendsten Arzneimittelhersteller. Seit mehr als 130 Jahren erforscht und entwickelt das Unternehmen Medikamente, Impfstoffe, Biologika sowie Produkte fĂŒr die Tiergesundheit. Als forschendes Pharmaunternehmen treibt es den medizinischen Fortschritt voran.

SHAM Versicherung und Risikomanagement

Sham ist ein Versicherungsverein, pflegt ein Modell der Gegenseitigkeit und fĂŒhrend auf dem Markt der Heilwesenhaftpflichtversicherungen. Sham ist Spezialist in der Betreuung und Absicherung von medizinischen, sozialen und sozialmedizinischen Risiken.

Der Herausgeber:innen

Dr. med. Ruth Hecker

Ruth Hecker studierte Humanmedizin an der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum. Ihre Facharztausbildung AnĂ€sthesiologie absolvierte sie an den UniversitĂ€tskliniken Marienhospital Herne und Katholischen Klinikum Bochum. Neben ihrer TĂ€tigkeit bei der Ärztekammer Westfalen-Lippe studierte sie Gesundheitswissenschaften in Bielefeld. Sie erwarb die Zusatzbezeichnung Ärztliches QualitĂ€tsmanagement und war jahrelang DIN EN ISO Auditorin. Seit 2011 leitet sie das QualitĂ€ts- und klinische Risikomanagement an der UniversitĂ€tsmedizin Essen und dort zum Chief Patient Safety Officer ernannt. Seit ist sie 2019 Vorsitzende des AktionsbĂŒndnis Patientensicherheit.

AktionsbĂŒndnis Patientensicherheit

Seit ĂŒber 15 Jahren setzt sich das AktionsbĂŒndnis Patientensicherheit als Netzwerkorganisation, gebildet aus Akteuren aus der gesamten Bandbreite des deutschen Gesundheitssystems, fĂŒr die Erhöhung von Patientensicherheit ein. Das Ziel: gemeinsam fĂŒr mehr Patientensicherheit! (#togetherpatientsafetyfirst) Dabei widmet sich das BĂŒndnis der Erforschung, Entwicklung und Verbreitung dazu geeigneter Methoden und bietet den Raum fĂŒr Diskussionen und den Austausch zur Patientensicherheit. Das AktionsbĂŒndnis Patientensicherheit ist seit seiner GrĂŒndung als gemeinnĂŒtziger Verein Motor fĂŒr dieses Thema in Deutschland.

Pressestimmen

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1. Auflage
Englisch Broschur, 165 mm x 240 mm
350 Seiten
27 farbige Abbildungen, 2 Tabellen
ISBN: 978-3-95466-671-3
erschienen: 12. April 2022
59,95 € inkl. 7 % MWSt.

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